„Mallorca trifft Bremerhaven“

Mit der „Mein Schiff 4“ aus dem Hause der TUI AG sollte es zum vermeintlich letzten Auswärtsspiel des VfL Wolfsburg in der Bundesliga Saison 2016/2017. Eigentlich ein schöner Abschluss nach 20 Jahren Bundesliga, dachte ich zumindest. Aufgrund der fehlenden Punktausbeute in der laufenden Saison ging es mit der Relegation weiter, was aber in diesem kurzen Reisebericht keine weitere Rolle spielen soll.

Bereits nachts um 3 Uhr fuhr der Shuttlebus von Ingolstadt zum Flughafen München um das Boarding kurz vor 6 Uhr einhalten zu können. Schöner Urlaub fängt anders an, aber die Planer bei Tui werden sich dabei sicherlich etwas gedacht haben. Vermutlich reine Kostenfrage wenn man gleich 2 Zubringer morgens bestückt und die Maschinen dann den Tag über noch weiter nutzen kann. Klare Empfehlung also einen Tag früher anzureisen und nicht auf die Gelddruckideen des Konzerns einzugehen. Es sei denn man möchte mir als Aktionär der Tui AG ein bisschen Dividende verschaffen ;). Von Ankunft am Schiff bis zur Freigabe der Kabine galt es noch gute 6 Stunden zu überbrücken. Da die Müdigkeit davon abhielt Palma de Mallorca zu erkunden wurde das „all inclusive“ für Frühstück und später dann diverse Getränke genutzt. Nach Bezug der Kabine konnte endlich ein wenig Schlaf nachgeholt werden. Mit Abendessen am reichhaltige Buffet ließ sich die Zeit bis zum Auslaufen des Schiffes ebenfalls gut überbrücken. Da der nächste Tag dann gleich ein „Seetag“ war konnte man gut ankommen, das Schiff erkunden, ein wenig den Fitnessbereich nutzen sowie „kreuzfahrttypisch“ diverse Speisen und Getränke verzehren. Um die kostenpflichtigen Restaurants näher kennen zu lernen gab es sogar eine kleine „Probiertour“. Sushi schmeckte jedenfalls und auch die anderen Restaurants konnten sich gut präsentieren.

Das letzte Heimspiel der Saison bestritt der VfL Wolfsburg gegen die Borussia aus Mönchengladbach. Dank der Unwetterunterbrechung wurden immerhin die letzten Minuten der Punkteteiliung via „sky“ an Board der „Mein Schiff 4“ verfolgt, denn vorher wurde der Aufenthalt in Cádiz genutzt um an einer geführten Tour nach Tarifa teilzunehmen. In Tarifa wurde auf das Angebot der Organisation „Firmm“ (foundation for information and research on marine mammals) zurückgegriffen um Wale zu beobachten. Firmm hat sich dem Schutz der Meeressäuger verschrieben und nimmt auf den regelmäßigen Beobachtungstouren auch Touristen mit. Ein durchaus interessanter Weg die Arbeit der Organisation zu finanzieren. Auf der anderen Seite aber auch eine gewisse Form von Selbstschutz, denn durch die regelmäßige Beobachtung und Aufzeichnung in der Straße von Gibraltar wurden beispielsweise direkte Fährverbindungen zwischen europäischen und afrikanischen Festland verhindert. Da in der „Straße von Gibraltar“ das Mittelmeer in den Atlantik fließt finden die Wale und Delfine hier Nahrung und so tummeln sich die Wale regelmäßig zur Nahrungsaufnahme in diesem Gebiet. Eine direkt und regelmäßig verkehrende Fähre hätte zur Folge, dass diese Nahrungsquelle nicht mehr genutzt werden kann. Die 14 Kilometer Luftlinie zwischen beiden Kontinenten dürften ansonsten wirtschaftlich durchaus reizvoll für schnelle Fährüberfahrten sein.


Über Nacht ging es mit dem großen „Kreuzfahrtdamper“ nach Lissabon. Dank des Gastspiels des VfL zwei Jahre zuvor in der Stadt am Tejo wurden bereits viele Sehenswürdigkeiten „abgegrast“ und so ging es mit dem öffentlichen Nahverkehr gezielt nach Bélem um die leckeren Törtchen zu konsumieren. Mit der historischen Straßenbahn konnte dann auch gezielt ein Aussichtspunkt angesteuert werden um die „Mein Schiff 4“ einmal abzulichten. Noch ein wenig durch die Altstadt geschlendert und auf einem Sonntag im Store des deutschen Sportartikelherstellers Adidas mit einem Cap ausgestattet ging es zurück aufs Schiff, denn man durfte ja das Buffet und die zahlreichen Getränke nicht verpassen.

Nach einem weiteren Seetag folgte am Dienstag Morgen das Anlegen in „ACoruña“. Auf die Busfahrt nach „Santiago de Compostela“, dem Ende es berühmten „Jacobswegs“, wurde verzichtet und das spanische „ACoruña“ zu Fuß erkundet. Die Altstadt, der Stadtstrand und der Herkulesturm konnten überzeugen und so wäre es doch eine gute Idee mit dem VfL zu einem internationalen Pflichtspiel wiederzukommen.

Es folgte erneut ein Seetag mit den üblichen Tätigkeiten und in England, genauer gesagt Southampton, kam dann auch langsam schon Abschiedsstimmung auf. Der Abend wurde dann schon damit verbracht die Sachen im Koffer zu ordnen und der Seetag zwischen Ablegen in England und Ankunft in Bremerhaven wirkte dann fast schon wie eine Fährfahrt, wenn auch mit leckerem Essen und Getränken. Doch vorher galt es eben jenes Southampton noch zu erkunden. Das Stadion des Premier League Clubs FC Southampton war durch die Innenstadt fußläufig erreichbar und so wurde kurz nach Öffnung des Fanshops im Sale ein Trikot als Andenken gekauft. Ansonsten „typisch englisch“ und „typisch Hafenstadt“ aber durchaus nett, so dass man die angebotene Busfahrt nach London und das „wegen Stau durch die Weltstadt hetzen“ nicht zwingend in Anspruch nehmen muss. Der gewählte Ausflug am Nachmittag nach Beaulieu konnte aufgrund der umfangreichen Autosammlung auch überzeugen und pünktlich zum Abendbuffet war man auch wieder auf dem Schiff.

Zurück in Deutschland hieß es in Bremerhaven recht schnell Abschied nehmen von der bequemen Reisevariante per Kreuzfahrtschiff und ab in den überfüllten Zug um das Auswärtsspiel des VfL Wolfsburg in Hamburg zu erreichen.

„Kurzfazit“: Von Mallorca nach Bremerhaven bedeuten 2.054 Seemeilen und viele spannende Eindrücke und Erlebnisse. Bereist am ersten Seetag gab es eine kleine ungewollte Showeinlage. Ein medizinischer Notfall zwang den Kapitän von der geplanten Reiseroute abzuweichen und Richtung spanischen Festland zu schippern. In der „nautischen Fragestunde“ kurz vor Reiseende wurde dieses Thema dann auch noch einmal aufgegriffen und zumindest die Information verkauft, dass die Patientin was auch immer überstanden hat. Immerhin ein Anlass um darauf hinzuweisen, dass man selbst bei einer „innereuropäischen Tour“ seinen Reisepass dabei haben sollte, denn statt europäisches Festland und dortige medizinische Versorgung hätte es auch der afrikanische Kontinent sein können. Ansonsten kann ich diese Reisevariante nur wärmstens empfehlen, auch wenn man beim Essen und Trinken meistens mehr zuschlägt als nötig. Immerhin ein Zeichen, dass es gemundet hat. Und wenn dann schon Naturschauspiele wie spielende Delfine im Atlantik oder ein netter Sonnenuntergang das Abendessen begleiten, dann kann man durchaus von „Genuss“ sprechen. Die angesteuerten Städte waren nett und auch über das Wetter lässt sich (glücklicherweise) nicht meckern. Imposant war das Naturschauspiel in ACoruña, als sich der Nebel langsam über die Stadt legte und das Schiff einschloss. Die Ausfahrt aus dem Hafen und die Nachtfahrt auf dem Weg nach Southampton führten dann durch diesen Nebel so dass das Nebelhorn nicht nur als Abschiedsgruß verwendet wurde. Selbst an den Seetagen kam keine Langeweile auf, da immer ein abwechslungsreiches Showprogramm geboten wurde ohne sich dabei aufzudrängen. So musste man sich dann auch mal zwischen „Showcooking“ auf dem Promenadendeck und Kinofilm im Theater entscheiden. Nach Ende des Films schaffte man es übrigens gerade noch so um die fertigen Gerichte auf dem Sonnendeck zu sehen. Und wenn wir gerade bei Filmen sind, „Ich bin dann mal weg“ konnte wenig überzeugen, wenn man das Buch schon kennt, „Honig im Kopf“ überzeugte da schon eher. Trotzdem nett beide Filme mal gesehen zu haben.

P.s.: Überrascht war ich, dass in der Kabine nebenan wohl fleißig gebloggt und Bild-/Videomaterial bearbeitet wurde. Ein netter Film der Reise ist entsprechend bei Youtube zu finden.

Hinterlasse einen Kommentar